Bye bye Bunker

Letzte Woche ertönte von nebenan noch einmal das Tackern eines Hydraulikmeißels. Zart, aber unverkennbar. Und immer wieder ohrenbetäubendes Krachen, gefolgt von Erschütterungen und dem typischen Scheppern des Geschirrs hier bei uns. Es klang ganz klar nach Bunkerkarate und Bunkerkegeln.
Man war dabei, die letzte Ecke der Baugrube auszuheben. Und unter dem Erdberg der Rampe kamen noch ein paar Bunkerstücke zum Vorschein, denen man auf traditionelle Weise: Draufkloppen, bis sie kaputt gehen –, zu Leibe rückte.
Und dann, am 21.02., waren die letzten Stücke des Bunkers aus der Baugrube verschwunden.

Damit hat es nicht ganz zwei Jahre gedauert, die beiden Bunker aus dem Boden zu holen.
Der baustelleneigne Baumeister erklärte im Mai 2012, daß er in zwei bis drei Monaten mit den Bunkern fertig wäre.
Die Senatsverwaltung schrieb den Anwohnern vor rund einem Jahr, daß das letzte Stück Bunkersohle am 12.01.2013 wie geplant beseitigt worden sei.

17.02.2014 bis 22.02.2014
Die letzten Stücke des zweiten Bunkers, hinter den Häusern Chausseestraße 29 und 28 verschwinden.

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Das Ende des Jahres steht bevor und auch das Ende der Buddelkiste: Von Mayatempeln und Zengärten.

Als Cathi, Elfi, ihre Schwestern und auch Alwin und die anderen Bagger Anfang September verschwanden, hinterließen sie eine riesige, an die 7000 qm große Buddelkiste. In diese fiel im Anschluß eine Armada von Mietbaggern ein, gefahren von anscheinend hoch motivierten, aber völlig planlosen Fahrern.

In den folgenden Wochen erinnerte die Baugrube an einen Zengarten, in dem mit schweren Gerät gearbeitet wird. Oder an „Backen mit Baggern“.
Unter Getöse wurde Erde hin und her bewegt, Sandberge entstanden, verschwanden und entstanden an einer anderen Ecke neu. Mit Ketten und Löffeln der Bagger zogen die Fahrer immer neue Muster in den Sand und löschten sie dann wieder mit einem beinahe tänzerischen Schwenk des Fahrzeugs um die eigenen Achse.

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Mit Bunkerschutt und Bunkerblöcken – Bunker haben wir immer noch, es ist ein wenig wie beim Märchen mit dem Brei, nur mit Bunker; der verleugnete und schamhaft verschüttete zweite Bunker tauchte wieder auf, die Bunkersohle des ersten Bunkers dito – spielte man Bunkerkarate.
Beim klassischen
 „Bunker-Karate“ wird ein Bunkerteil auf zwei andere gelegt und der Bagger schlägt mit Schaufel drauf. Zerschlagen klappt eher nicht, da Bunker. Bei einer unter den Nachbarn auch „Eiswürfel-Methode“ genannten anderen Variante greift sich der Bagger ein Stück Stein, hievt es so hoch es der Schwenkarm zuläßt und läßt es dann auf die noch vorhandene Bunkersohle oder ein anderes Bunkerstück fallen. Wenn es nur Stein ist, geht das Stück kaputt. Ist es Bunker, dann eher nicht. Dieser Vorgang kann bei Langeweile beliebig wiederholt werden. Das wissen die Anwohner ja noch aus dem letzten Jahr.

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Auf der Bunkersohle – die, die laut Senatsverwaltung durch den durchgedrehten Baggerfahrer am 12.01. 2013 komplett entfernt wurde – hätte man ein Einfamilienhaus bauen können, denkt sich der Beobachter und erinnert sich melancholisch an die eigentliche Idee, auf dem Grundstück Wohnhäuser zu bauen und dabei den Bunker als Keller zu nutzen.

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Ebenfalls mit Melancholie erfüllt es zu sehen, mit welchen Geschick und mit welcher Leichtigkeit die Spezial-Baufirma die Bunkerteile entfernt, während die Bagger daneben im Sandkasten spielen: Loch in die Blöcke, Presse hinein. Und dann auseinandersprengen. Oder mit der Seilsäge sägen. Oder mit der Kreissäge sägen. Für eine Wand, für die man im letzten Sommer rund einen Monat gebraucht hätte und dabei die Alleinherrschaft über die Nachbarschaft erlangte, braucht die Spezialfirma vier Tage. Inklusive Abtransport der Blöcke mit Lastern.
Hätten sie gleich so gearbeitet, hätten wir heute noch die Nachbarn. Und sie wären mit dem Hotel fast fertig.
Das Meißeln sei, so behaupteten damals unisono Senatsverwaltung und Bauherr, alternativlos.
Die Fräse hinterließ neben den interessanten, treppenartigen Kanten, die an Maya-Tempel erinnern, auch noch mehr als einen Meter Sohle. Die wäre in den jede Woche aufs neue versprochenen „nur noch sieben Tagen“ nicht zu schaffen gewesen.

Jetzt ist nur noch ein kleiner Rest vom 2. Bunker im südlichen Teil des Grundstückes vorhanden. Er wird mit uns ins Jahr 2014 wechseln.

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Im Sandkasten wurde, wie es sich gehört, von Anfang an nicht nur geschaufelt, sondern auch gesiebt. Zwei Bagger schüttelten ihre Sieblöffel wie Hunde ihre frisch erbeuteten Knochen, und rührten dann das so ausgesiebte Gut mit viel Liebe wieder in das Erdreich ein, um dabei zu versuchen, die Klumpen zu zerschlagen oder zu zerdrücken. Dann wurde erneut gesiebt. Hatte etwas von einer Hausfrau, die versucht, die Klumpen aus der missglückten Sauce zu quetschen.

Dabei knallten die Steine gegen die Metallsiebe und die Bagger knacken gefährlich arthritisch mit den Gelenken wie alternde Mafia-Schläger.
Zu viele Bilder, ja, aber das Bau-Schauspiel in diesen Herbstwochen war wieder erschütternd einprägsam. Bei uns Anwohnern schepperte dabei über Stunden das Geschirr auf den Regalen, und die Computer mußten abgestellt werden. In den Wänden klafften mit jedem Tag neue neue Risse auf. Wer zu Hause war, konnte bei dem mörderischen Lärm und den stundenlangen Erdbeben eh nichts anderes machen, als den Baggern zuzuschauen und zu versuchen, den Sinn hinter der Tortur zu erkennen. Eine besondere Art der Meditation, noch zu steigern durch die Wiederholung meines Lieblingssatzes aus der sogenannten Anwohnerinformation: „Die Arbeitstage der Moonday GmbH definieren sich an den Werktagen.“ In diesem Meditations-Zusammenhang ist es schade, daß dem lustigen Wasserfall der Grundwasserhaltung inzwischen eine Art brummende Riesenwaschmaschine geworden ist.

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So hagelte es im Herbst wieder Beschwerden von den Nachbarn und die Senatsverwaltung verbot das Sieben. Das funktionierte wie in der richtigen Sandkiste erst, als die Schaufel weggenommen wurde. Noch später, die Arbeiten waren fast beendet, wurden die Lärm-Prognosene freigegeben. Das Zuckerbäcker-Baggern war, wie alle Anlieger gemerkt hatten, über zwei Monate viel zu laut gewesen.

Später sehe ich, daß es auf Youtube unzählige Filme zum Thema „Ich beim Baggerfahren“ gibt. Das würde erklären, das die Fahrer einander immer wieder bei den völlig unsinnigen Aktionen mit den Handys filmen. Manchmal sind sie einfach nur stolz darauf, daß ihr Bagger so einen großen Klotz heben kann. 

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Anfang November kehrten dann Alwin und der blaue Action-Film-Bagger zurück und mit ihnen die Bau-Profis. Sie, so wirkte es, hatten bei den Arbeiten ein Ziel. Der Sand und Schutt wurde nun auch abtransportiert und nicht nur hin und her geschichtet. Das Imponierbaggern wurde weniger.
Es kam Bewegung in die Angelegenheit. 

Seit Mitte November wird nun stückchenweise die Bausohle gegossen und dann Armierung geflochten. Die Flechter arbeiten schnell und effektiv. Mit jedem Zentimeter, den die Bausohle wächst, wackelt es, nach 22 Monaten dauerhaften, heftigsten Erdbeben, weniger.

Und mit jedem Zentimeter mehr Beton in der Grube finden auch weniger Bagger dort Platz. Nicht schlecht. Zumal der blaue Liebherr-Bagger inzwischen heftig dröhnende Motorgeräusche entwickelt hat. Der Einsatz mit den nassen Ketten im Januar bei der hiesigen Version von „Der Angriff des Killerbaggers“, hat vermutlich zu einer Verkühlung geführt.

Seit Sommer 2013 gibt es wohl auch endlich eine Baugenehmigung. 38x Zimmer. Der Ballsaal bietet nur noch Platz für 1000 Personen. So soll es mal aussehen:

http://www.nps-tchoban-voss.de/projekt.php?id=411&b=1&k=4&pg=0

Wenn jemand ein sehr ähnliches, schon weiter fortgeschrittenes Gebäude sehen möchte, dann soll er sich die Ecke Heide- / Invalidenstraße anschauen. Auch das dortige Hotel wird von Tchoban gebaut. 

Eine Baugenehmigung und keine ambitionierten Heimwerker mehr, das läßt trotz des erheblichen Zeitverzugs: Ende Dezember wollte man eigentlich mit dem ersten Stock des Rohbaus fertig sein, darauf hoffen, daß 2014 aus ‚Der Zone‘ eine normale Baustelle wird. Andrerseits hörte man von den Anwohnern der Französischen Straße, wo seit 2012 das zweite Titanic-Hotel im ehemaligen Fundus der Staatsoper entsteht, daß auch dort die Arbeiten immer wieder auf stand by laufen, trotz Baugenehmigung, obwohl es keine Bunker gab und obwohl aus dem Denkmalschutz ein Bauen „unter Berücksichtigung der historischen Elemente“ geworden ist.

Vielleicht entdeckt der ein oder andere ja beim Bleigießen heute Abend ein Hotel und weiß dann Näheres.

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Neben der Titanic

hört man nun in der Nacht ein durchaus standesgemäßes Wasserrauschen. Zumindest hier hinten bei uns. Ohne ‚NSA‘-Einsatz ist das eher lustig, es klingt, als läge die Chausseestraße an einem mittelgroßen Wasserfall. Ein Vergnügen, das die Anrainer anderer Baustellen nicht haben.

Pumpenwächter:
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Am Ende des Rohrs in der Habersaathstraße ist dann kein Wasserfall, sondern eher ein Springbrunnen, der in die renaturierte Panke sprotzelt. Übrigens auch eine interessante Konstruktion:

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Das Rohr quert die Habersaathstraße

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… den Bürgersteig …

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dann geht es abwärts …

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in die Panke.

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Wasser kommt nicht nur von oben …

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sondern manchmal auch aus dem Rohr. Vielleicht führt der Panke-Graben am Verkehrsministerium jetzt immer Wasser?

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Durch die Nacht mit der Titanic

Die Nachtbauerlaubnis wurde erteilt. Oder wie es genau heißt: Die Ausnahmezulassung für die Durchführung von Bauarbeiten während der Nachtzeit. Diese Ausnahmezulassung umfasst auch Sonn- und Feiertage und gilt zunächst bis zum 28.12.2013

Damit darf nachts, sonn- und feiertags gearbeitet werden, und es darf dabei lauter werden als 45 Dezibel. Zugelassen sind nur Arbeiten zur „Grundwasserhaltung“.
Grund ist, daß durchgehend gepumpt werden muß. Wie überall in Berlin bei Tiefbauarbeiten.
In der Begründung wird darauf verwiesen, daß es ja nur 50 statt 45 Dezibel sind. Und meistens wäre es ein gleichmäßiges Geräusch. Dadurch würde der Nachtschlaf „nur unwesentlich“ gestört.
Die Anwohner sollen die Fenster geschlossen halten. Wie angesichts der Bauarbeiten tagsüber auch.
Es wurde im übrigen auch damit argumentiert, daß die Chausseestraße so laut sei.
Bei mir sind es im 2. Hinterhof gegen 19.00 Uhr werktags ca. 47 dB(A).

Zu den Baugeräten, die für das Abpumpen des Grundwassers nötig sind, gehört auch ein Notstromaggregat, abgekürzt NSA.
Dieses NSA soll in Spitzenzeiten zugeschaltet werden und sonst bei Stromausfall zum Einsatz kommen.

Geplant war, einen Technik-Dinosaurier einzusetzen, der es auf 94 dB(A) Schall-Leistungspegel gebracht hätte. Begründung: Es sei ’so kurzfristig in Berlin nichts anderes zu finden‘.
Laut Ausnahmezulassung soll nun doch ein anderes Gerät mit höchstens 85 dB(A) Leistungspegel eingesetzt werden.
Das bleibt Theorie. Das NSA ‚Step 60‘ (diese Namen!), das nebenan an der Chausseestraße bereit steht, bringt es neu auf einen Schallleistungspegel von 91 dB(A). Dafür könnten vier Modelle mit 85 dB(A) gleichzeitig laufen.

Im Entwurf zur Ausnahmezulassung stand noch, daß das NSA nicht länger als 2 Stunden in der Nacht, an Sonn- und Feiertagen in Betrieb seien dürfte. Dafür sollte ein Pumpenwächter sorgen, der Tag und Nacht vor Ort ist.
In der Zulassung steht nun, daß wir Anlieger einen Ansprechpartner haben müssen, der rund um die Uhr erreichbar ist, und auf Anruf den Lärm abstellt. Und das Moonday die nächtlichen Arbeiten 3 Tage vorher ankündigen muß. Und um Verständnis bitten soll.
Bei durchgehend notwendigem Pumpen und bei einem plötzlichen Stromausfall.

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Ein Schiff wird kommen

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Immer noch tauchen auf der Baustelle Stücke des Bunkers auf, ähnlich wie Wrackteile nach einem Schiffsuntergang auch noch Jahre später an die Küste gespült werden. Woher sie kommen? Warum sie in den letzten 15 Monaten nicht beseitigt wurden? Wer weiß.

Die Baustelle selbst ist inzwischen zu einer normalen Baustelle geworden. Es brummt und kracht und wackelt. Aber alles so, wie wir Anlieger es seit 2007 kennen. Eine Ausnahme sind die stundenlang piepsenden Bagger. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Baugrubensicherung dümpelt somit ihrem Ende zu.
Es folgt der Tiefbau. Wir erinnern uns: Der Bunker mußte entfernt werden, weil eine zweistöckige Tiefgarage unter dem Hotelklops Platz finden soll.

Die Baugenehmigung scheint inzwischen vorzuliegen. Denn die Senatsverwaltung schrieb wieder. Sie möchte eine Ausnahmegenehmigung erteilen, für nächtliches, sonn- und feiertägliches Bauen bis zum 28.12.2013. Dazu bittet die Nachbarn bis zum 21.08. zu ihrer Meinung / Widerspruch.

Die Ausnahmegenehmigung wird zum einen damit begründet, daß die in Berlin bei Bauarbeiten notwendige Grundwasserpumpe bei uns lauter sein muß als sonst in der Stadt.
Geplant sind 50 Dezibel Tag und Nacht, sonn- und feiertags bis nach Weihnachten. Aha, denkt man sich, dann rauscht es den ganzen Herbst und Winter durch. Vermutlich ist, wie ein Nachbar bemerkte, die Pumpe aus dem Technikmuseum halt billiger. Es wäre in den letzten 1 1/2 Jahren ja nicht das erste Mal, daß ältere Geräte hier ihr Gnadenbrot fristen dürfen.

Aber dann ist da die Rede von Lärmspitzen, auch nachts und feiertags, die sollen nicht lauter sein als bis zu 65 Dezibel. Und es tauchen Lastwagen auf. Die doch bitte nachts nur aus nachvollziehbaren Gründen im Leerlauf neben den Wohnhäusern stehen.

Das die Pumpe durchläuft, ist klar, wenn auch mit dem Lärmpegel nicht nachvollziehbar. Aber Lastwagen? Lärmspitzen?

Wen es interessiert, warum es bei uns nicht so geht wie sonst in Berlin, wo sie ja alle mit dem Grundwasser kämpfen, sollte bei der Senatsverwaltung nachfragen.

Und wer als Anlieger nicht neben einer 24 Stunden vor sich hin tönenden Baustelle wohnen möchte, sollte sich bis zum 21.08 bei der Senatsverwaltung melden.

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Elfi ist zurück,

und Cathi steht auch bereit. Die Anwohner in der Chausseestraße 28 und 29 können wieder in Ersatzapartments.
Es geht also wieder los.

Die Bauinformationen von letzter Woche waren angenehm wenig verschwurbelt und enthielten statt dessen eine Bauplanung bis Ende Juli. Dafür vielen Dank.

Das ein weiterer Bunkerfund als Grund für die Bauverzögerung angeführt wird, ist natürlich lustig und fällt dann eher unter Bau-Fiction. Zu den hier immer wieder plötzlich auftauchenden Bunkern lohnt es sich inzwischen, einen eigenen Artikel zu schreiben. „Der Bunker als Higgs-Boson-Teilchen. Probleme und Chancen. Ein Ausblick.“

Die Senatsverwaltung hat eine neue Technik. Auf Emails der Anwohner wird nun zwei Wochen später mit einem Brief per Post geantwortet. In der Sowjetunion (und auch noch im Rußland der 90er) gab es für solche Fälle ein Schild, das man vor seiner Tür aufhängen konnte: „Aus technischen Gründen geschlossen.“
Vermutlich wollen über 3000 Seiten Akten sortiert werden, die es inzwischen zur Baustelle gibt. Obwohl immer immer noch keine Baugenehmigung existiert.
Und nein, es ist nicht so wie bei dem skurrilen, 20 000 Seiten umfassenden Mail-Wechsel zwischen einem amerikanischen General und einer Hausfrau: Soviel haben weder ich noch die anderen Nachbarn geschrieben. Und auch Rechtsanwalt Plangger nicht. (Allerdings scheint bei der Verwaltung der Ärger über seine beiden Klagen, die zugunsten der Anwohner ausgegangen sind, so groß zu sein, daß man sich in sonderbare Vorwürfe versteigt, die wiederum zu Verwaltungsvorgängen führen, die auch unbearbeitet als absurde Literatur durchgehen würden. Das bringt bestimmt auch noch einmal 50 Seiten.)
Meine Quelle sprach angesichts der Aktenflut von ‚verwaltungsinternen Streitigkeiten‘.

3000 Seiten und die Kreativität der Verwaltung ist dann auch wieder genug Stoff für ein eigenes Thema. Ich hoffe, daß Cathi und Elfi mich zum Schreiben kommen lassen.

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Menschen im Hotel

Lange habe ich nichts geschrieben. Weggezogen bin ich nicht. Oder nur ein bißchen: Von Mitte März im Hotel bis vor drei Wochen waren wir Anlieger zum Teil in Ausweichquartieren, sprich nahegelegenen Hotels untergebracht. In Berlin im Hotel zu sein, fühlt sich ein wenig surreal an, und die Organisation des Lebens zwischen Wohnung und Hotel kostet Zeit. Deshalb kam ich nicht zum Schreiben (ehrlich gesagt, war es auch schön, den Abstand zur Baustelle zu nutzen, um nicht über das Grauen nebenan nachzudenken). Da trotz meines Schweigens dieses Blog immer noch aufgerufen wird – wie ich hoffe, nicht nur vom Bauherrn – geht es erst einmal hier weiter.

Neben unserem Haus wird immer noch die Baugrube vorbereitet, das heißt,  die Wände der vorgesehenen Grube abgesichert. Elfi, die Pfahlbohrerin, ist weg, sie wurde woanders gebraucht. Auch ihre Nachfolgerin wurde wieder abgeholt. Die Ramme Cathi ist ebenfalls weg. Da neue Spundwände gebracht wurden und abgezählten Körbe für die Bohrkerzen bereitliegen, kommen Ramme und Bohrmaschine wieder. Und da alles, was noch in den Boden gebohrt und gerammt wird, nach hinten hin verankert werden muß, kommt dann auch der rote Raketenwerfer mit seiner futuristischen Basis-Station wieder. Ende Juni wollten sie mit der Absicherung eigentlich fertig sein. Wenn sie im Zeitplan bleiben, ist es also bald soweit.

Zur Zeit spritzt: ‚injiziert‘ die verbliebene Keller-Bohrmaschine Beton in die Erde. Die Szenerie erinnert bei Sonnenschein an alte Fotos der Erdölförderung bei Baku. Zwar ohne Meer, aber inmitten von in allen Farben schillernden, zum Teil blubbernden Seen.

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Große und kleine Bagger arbeiten jeden Tag am Austauschen der belasteten vergifteten Erde. Außerdem legen sie eine Art Keller frei, vielleicht ist das der Zugang zu dem Bunker, der sich laut Bunkerliste dort befinden soll. Aus der Ecke scheinen auch die blauen Fässer hergekommen zu sein, die von Männer in Schutzanzügen abtransportiert wurden.
All das geschieht, wie eigentlich immer, ohne Staubschutz für die Umgebung.

An der Chausseestraße 30 wurden derweil mit der hydraulischen Presse und der Säge die letzten Reste Bunkerwand zerstückelt. Um dann mit dem Bagger aus dem Boden gebrochen zu werden. Das fühlte sich in der Umgebung ungefähr so an, als säße man in einem Kiefer, aus dem ein Weisheitszahn gegraben würde. Aber auch das anschließende Sortieren und immer neue Anordnen der Blöcke, und die vergeblichen Versuche, sie mit der Baggerschaufel zu zerschlagen, bedeuten Seegang für unser Haus. Das Ergebnis hat etwas von sich mit dem Laufe der Zeit wandelnden Landart (mich erinnert das aus irgendeinem Grund auch immer an die „Kunst sortieren“- Bilder.)
Im Boden gab es dann doch noch ein ein Stück Bunkersohle. Sie wird mit der Presse und riesigen Kreissägeblättern zerteilt.

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In einem Kasten auf der Baustelle hängen seit Wochen jeden Montag aufs neue die so genannten Anwohnerinformationen aus. In ihnen beschreibt der Bauherr, was er in der laufenden Woche vor hat. Der Informationsgehalt ist immer wieder überraschend und läßt sich zusammenfassen mit: Wir baggern, bohren, injizieren und tauschen Boden aus. Und: Wir versuchen, die vorgegebenen Arbeitszeiten einzuhalten.

Die Arbeitszeiten werden seit dem 18.03. von einer Senatsanordnung vorgegeben und müssen eingehalten werden.
Gearbeitet werden darf von 8.00 – 17.00 Uhr. Von 12.00 – 13.00 Uhr ist Pause.

Zu dieser Senatsanordnung kam es nach einer weiteren Klage gegen die Stadt.
Ab Mitte Februar wurde nebenan gerammt und gebohrt. Währenddessen prüfte die Senatsverwaltung immer noch das Lärmschutzkonzept des Bauherrn, das ihr seit November vorlag. Mit jedem Tag, der verging,wurden es mehr Maschinen. Hier bei uns in der 32 dröhnte, brummte, wackelte und vibrierte es. Auch in der Chausseestraße 29 sah es von uns aus nach Erlebniswohnen aus.

Gleichzeitig wurden die Antworten der Verwaltung auf die Beschwerden der Anlieger immer verquaster. Mißtrauische Menschen hätten vielleicht vermuten können, daß die Prüfung der Konzeptes sich bis zum Ende der Vorbereitungsarbeiten hinziehen würde. Als die Ramme eines Morgens vor meinem Küchenfenster stand, reichte Rechtsanwalt Plangger wieder Klage auf die Einhaltung der Lärm-Richtwerte ein.

In der Folge, zumindest zeitlich, gab es eine weitere Senatsanordnung.
Außer der Begrenzung der Arbeitszeiten, gibt es die Auflage, die Anwohnern mit zwei Wochen Vorlauf über das Baugeschehen zu informieren. Wenn es zu laut wird, muß der Bauherr den direkten Anliegern angemessene Ersatzunterkünfte zur Verfügung stellen. Das bedeutet Hotel / Apartment / Tagungsräume unter der Woche. Und zwar im Umkreis von 500 Metern um die Baustelle.
Warum in Baustellennähe statt in Wohnortnähe, weiß der Beamte, der die Anordnung geschrieben hat.

Das Ergebnis der Klage war übrigens, daß die Bauarbeiten zu laut sind. Der Bauherr brachte ein Gutachten bei, daß es nicht anders ginge, da die Baugrubensicherung so kompliziert sei. Wenn das aber so ist, muß der Bauherr den direkten Anliegern – Chausseestraße 28, Chausseestraße 29, Chausseestraße 32, und Teilen der Chausseestraße 35 – angemessene Ersatzräume in unmittelbarer Wohnort- / Büronähe anbieten.
Die von Moonday angebotenen Evakuierungsunterkünfte am Spittelmarkt jeden Tag von 8.00 Uhr – 18.00 Uhr fallen nicht unter ‚angemessene Ersatzunterkünfte‘ in Wohnortnähe.

Eine weitere Anekdote in dem an Anekdoten reichen Geschehen rund um die Baustelle:
Kurz vor der Anordnung erschienen Vertreter der Senatsverwaltung bei mir zu Hause. Ein Mitarbeiter zum Lärm Messen. Zwei Juristen zum Überwachen. Dazu eine Dame vom Gesundheitsamt, da sich die Verwaltung nicht sicher ist, ob Lärm gesundheitsschädlich ist. Dabei machte der Mitarbeiter, den sie zum Messen geschickt hatten, noch einmal für die Notunterkünfte Werbung: ‚Da setzen Sie sich jeden Morgen in die U6 und schwupps sind Sie da. Und abends fahren Sie dann zurück nach Hause.‘
Die Baustelle an der U6 ist eben unauffällig. Die schaffen es mit ihren Arbeiten unter 70 Dezibel zu bleiben.
Der Mitarbeiter der Senatsverwaltung war übrigens der gleiche Mitarbeiter, der einer Nachbarin auf ihre Beschwerden darüber, daß sie freiberufliche PR-Frau wegen des unsäglichen Lärms nicht von zu Hause arbeiten, zum Beispiel telefonieren könne, sagte, daß da „doch auch mal ein vom Bauherrn finanzierter Wellness-Urlaub drin“ sei. Aha.
Lustig ist das eigentlich nicht, denn es zeigt, daß die Senatsverwaltung ein Problem der Anwohner nicht verstanden hat. Unser Lebensrhythmus wird seit über einem Jahr von der Baustelle bestimmt. Eine Evakuierung über Monate zwischen 8.00 und 18.00 Uhr hilft da nicht, sondern macht es nur schlimmer.
Oder, wie eine Nachbarin bemerkte: Man nutzt seine Wohnung halt auch zum Wohnen.

Da hilft selbst ein Hotel nebenan nur wenig. Denn so eine Hotelunterbringung ist auch nicht mondän, wie die Senatsverwaltung zu glauben scheint (ein Mitarbeiter quengelte, daß wir die Unterbringung ‚weidlich ausnutzen‘ würden – da geht wohl immer noch die Idee vom „Wellness-Urlaub“ um), sondern zeitaufwendig und nervig. Und nützt den Familien mit kleinen Kindern, der Freikirche und denen, die zu Hause an großen Computern arbeiten, nur bedingt.

Ersatzräume gibt es für die Nachbarn wieder, wenn Cathi und Elfi zurück sind.
Ich gehe davon aus, daß inzwischen alle, die betroffen sind, vom Bauherrn informiert sind. Sonst helfen der zuständige Baumeister und seine wechselnden Lärmschutzbeauftragten bestimmt. Die Telefonnummern findet der Nachbar im sogenannten Info-Kasten. Oder auf der Postwurf-Sendung, die die Anwohner Chausseestraße 28, 29, 32 und 35 wöchentlich erhalten sollten. Falls das nicht funktioniert,  kann man bei der Senatsverwaltung anfragen, die die Anordnung vom 18.03. erlassen hat. Siehe Link zur Senatsverwaltung.

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